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Fridingen-Donau
05.12.2010 13:38 (9582 x gelesen)

      Fridingen an der Donau



   
 
Die Fridinger Fasnet
(Text: Wolfgang Wirth)
 
In einem polizeilichen Untersuchungsbericht über Unruhen an der Fridinger Fasnet vom Jahr 1926 heißt es unter anderem: „ ... In Fridingen ist die Fastnacht ein uraltes Herkommen. Männer mit grauen Haaren, die sonst die Nüchternheit und Solidität selbst darstellen, schlüpfen über die Fastnachtstage in das Narrenkleid und machen an dem Fastnachttreiben mit ärger als die Jungen ...“ Diese Zeilen mögen überraschen. Aber sie zeigen die intensive und innige Verbundenheit der Fridinger mit ihrer Fasnet.
Ein weiterer Blick in die Fridinger Archive bestätigt dies: 1764 findet sich der erste archivalische Hinweis auf die Fridinger Fasnet und das Narrenhäs. Schon hier geht es darum, dass sich die Fridingen Narren (und Närrinnen!) den obrigkeitlichen Verboten erfolgreich widersetzten. Von 1780 stammen archivalische Hinweise auf einen „Narren-Tanz“, dessen Ablauf aber nicht mehr bekannt ist. Bereits 1816 wird vom „Maschkera gau“ und vom „Hausiara“ berichtet. Ein württembergischer Beamter sollte dies unterbinden und wurde dafür von den Fridinger Narren „schrecklich verprügelt und misshandelt“.
1920 war es sogar soweit, dass das Oberamt eine Abteilung von drei bis vier Landjägern nach Fridingen sandte, um über die Fasnet für Ruhe zu sorgen. “Für den Fall, daß keine Änderung erfolgt, eine Anzahl Landjäger nach Fridingen kommandiert sei, und dass jeder Angriff auf dieselben, jede Verhöhnung, wegen Beamtenbeleidigung mit strenger Strafe bedroht sei und dass die Landjäger Weisung erhalten haben, nötigenfalls von ihren Waffen unbedingt Gebrauch zu machen.” Die Stadt hatte jedem der abkommandierten Landjäger täglich zehn Mark zu zahlen und für ein “angemessenes Unterkommen in der Sonne” zu sorgen. Diese Maßnahme führte unweigerlich zu Protesten. 1926 heißt es: “Im vorigen Jahre wurde versucht, das öffentliche Fastnachttreiben zu verbieten. Darüber herrschte bei sonst ruhigen, gesetzten Männern eine Entrüstung, als ob man sie des höchsten Festes im Jahre berauben würde.” Ähnliche Aktionen fanden dann nicht mehr statt.
 
Was macht nun die Anziehungskraft dieser Fridinger Fasnet aus, die seit vielen Generationen bei Alt und Jung das Blut dermaßen in Wallung bringt und alle gleichermaßen begeistert und auch im Gebiet der VSAN zu den ältesten und ursprünglichsten gehört? Im Folgenden will ich einen kleinen Einblick in das heftig schlagende Fridinger Narrenherz wagen.
Am Donnerstagmorgen, in Fridingen der „schmotzige Duschtig“ genannt, stürmen die Fridinger Narren unter der Führung des Narrenvaters, des säbelschwingenden Narrenpolizei und der Stadtkapelle zuerst die beiden Schulen, um dann mit der Unterstützung der aus ihrem harten Joch befreiten Schüler das Rathaus einzunehmen. Jedes Jahr wird die Gegenwehr der ohnehin geschwächten Rathausbesatzung geringer. Dem Stadtschultheiß bleibt nichts anderes übrig, als den Narren den Rathausschlüssel und die ohnehin leere Stadtkasse zu übergeben.
Am Nachmittag treffen sich die Narren am Kirchplatz. Zuerst werden die neuen Häser übergeben. Narrenvater und Schultes überreichen die Larve und einen Sack „Gutsle“, der neue Hästräger muß daraufhin vor versammelter Mannschaft „juzga“, die Narrenschar bestätigt ihn dann ebenfalls mit einem „Juzger“.
Der Narrenvater ist der Vorsitzende der 1928 gegründeten Narrenzunft, die zuerst von einem „Siebener-Rat“, seit 1949 vom Elferrat, dem bis heute nur Männer angehören dürfen, geleitet wird. Allerdings gibt es hier nicht wie andernorts eine Narrenzunft mit eingeschriebenen Mitgliedern. Die Narrenzunft besteht eigentlich nur aus dem Elferrat. Über die hohen Tage der Fasnet sind dann automatisch alle Fridinger/innen Mitglied. Auch bei der ersten Narrenversammlung am Dreikönigstag, das gibt es ebenfalls nur in Fridingen, sind automatisch alle Anwesenden stimmberechtigt.
 
Auf die Häs-Übergabe folgt das „Narrensamensäen“ (der Pflugumzug), heute fast ein pseudo-landwirtschaftlicher Brauch, der aber überraschend andere Wurzeln hat. Er war früher ein Strafbrauch (Rügebrauch) für ledige Frauen. Heute ziehen gut 170 Narren und mehr den alten Holzpflug durch den Ort. Begleitet werden sie von den Schnellern, die mit ihrer Geisel versuchen, die übermütige Narrenschar im Zaum zu halten.
Hinter dem Pflug folgen die Sämänner, die den Narrensamen (Gschprier) auswerfen. Der landet aber nicht nur am Boden, sondern eher in den Haaren der Zuschauer und in manchem offenen Stubenfenster am Umzugsweg, was mancher Frau schon ein gewisses „Schrecklein“ einjagte! Ihnen folgt zuerst die Egge und dann eine große Zahl von alten Weibern, die den Narrensamen mit ihren Hacken in die Erde bringen.
Nach dem Umzug gehen die Narren zum Fasnetkiechle essen in die Häuser. Die Zubereitung der beliebten Fasnetkiechle, die viel besser schmecken als Pommes, erfolgt in Fridingen seit alters her nach eigenen Rezepten und mit besonderer Fingerfertigkeit. Man nehme:
500 Gramm Mehl, 20 Gramm Hefe, ein Viertelliter Milch, 100 Gramm Butter, 60 Gramm Zucker, zwei Eier und eine Prise Salz. Nachdem der Hefeteig aufgegangen ist, werden mit einem Esslöffel etwa eigrosse Häufchen aus dem Teig ausgestochen. Die Häufchen läßt man auf einem bemehlten Brett aufgehen.
Danach wird aus jedem Teilhäufchen ein Kiechle geformt und das geht in Fridingen so: Man stellt einen Fuß auf einen Stuhl, legt ein weißes Tuch über das Knie und zieht die Kiechle darauf aus, bis sie etwa die Form eines Quadrates haben und noch einen halben Zentimeter dick sind. Danach macht man mit einem Messer einen etwa drei Zentimeter langen Schnitt in die Mitte des Kiechles und bäckt es dann langsam und schwimmend in Fett auf beiden Seiten hellbraun. Nach dem Herausnehmen wird das Kiechle mit Zucker und Zimt bestreut.
Für viele Fridinger Narren ist der „Schmotzige Duschtig“ schon deshalb ein besonderer Festtag, denn wie heißt es in Fridingen seit alters her: „100 Häuser – 100 Kiechle“.
 
Doch nun zum Fridinger Narrenhäs, von dem es in Fridingen zirka 750 gibt. Es zählt ohne Übertreibung zu den ältesten und schönsten Narrenkleidern innerhalb der schwäbisch-alemannischen Fasnet: Man kann es nicht fertig kaufen, es wird grundsätzlich an vielen langen Winterabenden von der ganzen Familie selbst hergestellt und ist daher für den Träger besonders wertvoll. Es besteht aus Kittel und Hose, die aus grober, möglichst alter Leinwand geschnitten werden.
Dann gibt es viel Arbeit für die ganze Familie, denn das Häs muss mit gut 2000 Blätzle aus hier ausnahmsweise ganz ehrbarem Filz verziert werden. Diese Blätzle wurden früher gestanzt oder mit einer Zackenschere ausgeschnitten, heute sind wieder alle geometrischen Formen erlaubt. Sie werden in der Regel zwei- oder dreilagig auf dem Häs angebracht, ebenfalls auf dem Mäntelchen der Larve, das den Hinterkopf des Trägers abdeckt.
 
Nur die Larve wird bei einem Fridinger Schnitzer gekauft. Die Fridinger Larve entstammt der späten Barockzeit und zählt zum ältesten Typus der Glattlarven. Sie zeigt ein kräftiges, freundlich dreinblickendes Jungmännergesicht mit meist aufgemaltem oder geschnitztem Schnurrbart.
Oben an der Larve baumelt lustig der Fuchsschwanz. Während der Fasnetzeit heißt Fridingen „Fuchsau“ und die Fridinger sind die „Füchse“.
Die die älteste undatierte Larve stammt wird in die Zeit um 1760 datiert, die älteste datierte Larve stammt von 1814, das älteste komplett erhaltene Häs trägt die Jahreszahl 1856.
 
Der unbekannte, unerkannte Narr? Das stimmt hier in Fridingen nicht ganz. Ein Einheimischer, dem ein Narr mit verstellter Stimme einen „Schlätterling“ aufsagt, kann den Narr dennoch erkennen. Denn jedes Narrenhäs trägt auf dem Rücken eine Applikation, ihr wird schon bei der Herstellung des Häses sehr viel Liebe und Aufmerksamkeit gewidmet. Sie beinhaltet einen graphischen Hinweis auf die Identität des Trägers. Es kann eine Anspielung auf den Familiennamen, einen Spitznamen, den Beruf oder ein Hobby des Besitzers sein. Diese Applikationen sind oft handgestickt und stellen vielfach kleine Kunstwerke dar. Daneben befindet sich, auch schon bei den ältesten Häsern, die Jahreszahl der Herstellung, so dass jedes Fridinger Häs eindeutig datiert werden kann.
 
Fast unheimlich beginnt der Fasnetmädig in Fridingen. Noch lange vor Tagesanbruch ziehen schaurig und grotesk vermummte Gestalten durch die alten Gassen und Strassen der Stadt. Das Gesicht ist mit einem Schleier oder Vorhangresten vermummt. Mit allerlei Lärminstrumenten, vom Kochtopf bis zur Waschmaschinentrommel, und vom Waschbrett bis zur Blechbüchse, wecken sie lautstark die Fasnet. Das Fridinger Fasnetsuchen gehört zu den alten Weckbräuchen und ist in seiner örtlichen Ausformung eine Rarität. An Schlaf ist jetzt natürlich nicht mehr zu denken.
 
Bald danach, sobald es richtig hell ist, treffen sich alt und jung zum Hemmedglonkerumzug, der ist in Fridingen tatsächlich am Montagmorgen, auch das ist eine Ausnahme. Alt und jung ziehen mit der Stadtkapelle ausgelassen von Wirtshaus zu Wirtshaus, dazwischen werden Passagen aus dem Narrenblatt „Fuchsfalle“ zum Besten gegeben.
 
Keiner dieser Umzüge im Ort ist ohne die „Stadthuper“, die Stadtkapelle Fridingen, vorstellbar, die unermüdlich den „Ludi-Marsch“ aufspielt und über die Fasnet im Stimmungmachen so manchen Rekord aufstellt.
Ein richtiger Fridinger Narr kann, wenn der „Ludi“ erklingt, nicht mehr still sitzen. Das Blut beginnt zu kochen, die Beine bewegen sich von selbst und spätestens nach dem zweiten Takt ist keiner mehr zu halten. 1937 komponierte Konrad Heni, Dirigent der Stadtkapelle Fridingen, den Fridinger Narrenmarsch „Fuchs du hast die Gans gestohlen“ zum Narrensprung, der seit 1948 aufgeführt wird.
 
Der Montagnachmittag beginnt mit dem großen Umzug, der das Ortsgeschehen glossiert, danach ist Strassenfasnet. Einzelnarren und kleine Gruppen ziehen durch die Häuser, gehen von Wirtshaus zu Wirtshaus und suchen ihre Opfer, denen sie etliche Ausrutscher aus dem vergangenen Jahr präsentieren.
Von organisierten Fasnetveranstaltungen erfahren wir erstmals 1905, als der neugegründete Turnverein die Gestaltung von Umzug und Ball übernahm. 1909 inseriert ein „Narrenrat“ und wirbt für einen großen Maskenumzug am Montag, 1912 beteiligt sich die „Schreiber-Musik“ an der Fasnet-Organisation. 1969 erfolgte die Aufnahme der NZ Fridingen in die VSAN.
 
Auch am Dienstag lebt die alte Straßenfasnet und das Gaben heischen. Narren ziehen von Haus zu Haus und betteln, ebenso zieht die Stadtkapelle „hausierend“ durch Geschäfte und Gasthäuser.
 
Ein ganz seltener und uralter Brauch ist in Fridingen noch lebendig. Am Dienstagmittag zieht der „Bettelma“ mit seinem Weib Lisbeth sammelnd durch den Ort. Der Bettelmann ist als irrationales Wesen, als ein Abgesandter der verstorbenen Vorfahren zu sehen. Er soll nachschauen, ob das „Sach“, das die Lebenden von den Vorfahren übernommen haben, noch in Stand sei und zugleich den Tribut dafür abholen. So behauptet er in seinen alten Verslein, jauchzt, knallt dazu mit der Peitsche und kassiert kräftig ab.
 
Auch die Kinder kommen jetzt zu ihrem Recht. Der Gutslenarr schart die Kinder um sich und läßt sie die alten Fasnetversle singen: „Hoorig, hoorig ischd dia Katz, und wenn die Katz it hoorig ischd, no fängt si koni Meis“ und „Borschtig, borschtig, borschtig ischd dia Sau, und wenn dia Sau id borschtig ischd, no geit si au ko Leaberwurscht“. Wenn die Kinder kräftig singen, werden sie mit einem tiefen Griff in die Gutslebüchse belohnt.
 
Seit einigen Jahren hat sich am Dienstagnachmittag ein Kinderumzug etabliert. Er wird jedes Jahr größer und schöner. Der Fridinger „Narrasoma“ kann so früh mit der Fasnet aufwachsen und sie liebgewinnen, und das ist gut so. Genau so gut ist natürlich, dass die Kinder nach dem Umzug vom Elferrat mit Fasnetkiechle verwöhnt werden. Liebe geht durch den Magen!
 
Am Abend geht es dann langsam abwärts mit der Fridinger Fasnet. Gegen 21 Uhr kommt das Gerücht auf: „Der Fasnet geht es schlecht, sie liegt im Sterben“. Kein Medicus vermag mehr, die Leidende zu heilen. Bald ist es traurige Gewissheit, gegen 22 Uhr zieht wie ein Lauffeuer in Windeseile die traurige Kunde durch alle Gassen und Wirtshäuser: „D´Fasnet ischd gschtorba, d`Fasnet ischd dood!“ 
 
In Form eines ausgestopften Narrenkleides wird die verblichene Fasnet auf der Tribüne am Kirchplatz aufgebahrt und standesgemäß geschmückt. Schnell strömt aus allen Richtungen das entsetzte Narrenvolk herbei, um der dahingeschiedenen Fasnet die letzte Ehre zu erweisen. Das Fasnetvergraben beginnt. Ergreifende Abschiedsreden des Narrenvaters, vom armen Bauer und den Jahrgängern, das laute Klagen und Jammern der Narren, die im flammenden Fackelschein wie gespenstische Schemen erscheinen, schaffen ein archaisch anmutendes, schaurig schönes Szenario, dem sich viele Zuschauer anschließen.
 
Der Narrenpolizei muss unter Tränen die erst kurz zuvor hart erkämpfte Regierungsgewalt an den Schultes zurückgeben und ihn wieder ins Rathaus einziehen lassen. Elferräte in Frack und Zylinder begleiten die abgeleibte Fasnet auf ihrem letzten Gang durch den Ort. Dabei ist auch die Stadtkapelle, die den Trauermarsch intoniert: „Ojerum, ojerum, dia Fasnet hät a Loch“, dazwischen immer wieder ein monotoner Sprechgesang der großen trauernden Narrenschar.
 
Am Ziel, der Miste vom „Locher-Schorsch“ angekommen, wird der heulenden närrischen Schar unerbittlich und streng das unwiderrufliche Ende der Fasnet verdeutlicht. Unter Trommelwirbeln und entsetzlichem Wehklagen wird die verblichene Fasnet in der Miste zur letzten Ruhe gebettet. Sichtlich gerührt und laut schluchzend und schnäuzend nimmt jeder Abschied von den hohen Tagen. Doch Narrenvater Reiner Kohli kann die traurige Schar trösten: „S´goht dagega“, die nächste Fasnet kommt bestimmt.
Früher, bis um das Jahr 1900, gab es hier auch noch eine Geldbeutelwäsche in der Donau und den „Äschabuddl“, einen mit Asche gefüllten Strumpf. Damit zogen einige Männer am Aschermittwoch durch die Wirtshäuser und schlugen die Wirtshausbesucher, die den Kirchgang versäumt hatten, mit dem Strumpf, in Anlehnung an das Äschern in der Kirche. Dieser Brauch wurde im 19. Jahrhundert als „Verunglimpfung der Kirche“ verboten. Ebenso das Vergraben der Fasnet erst am Aschermittwoch in Begleitung von Kreuz und Kirchenfahnen.
 
Wer in Fridingen nach einem „Narrenruf“ sucht, der wird enttäuscht. Den gibt es hier nicht. Der Fridinger zeigt seine überschäumende fasnächtliche Lebensfreude mit einem urigen, aus tiefstem Herzen kommenden „Juzger“. Und der hat Tradition, denn schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts mahnt der damalige Stadtpfarrer die Fridinger Narren, sie sollen das abscheuliche Johlen auf den Gassen sein lassen. Diese und alle weiteren obrigkeitlichen Ermahnungen haben nicht gefruchtet. Im Gegenteil.
 
Kein Brauchtumspfleger und keine Einflüsse von außen waren notwendig, um die Fasnettradition in all ihrer Vielfalt in Fridingen mit ihrer eigenen Intensität, Originalität, Selbstverständlichkeit und Spontaneität zu erhalten. Und das bleibt hoffentlich noch lange so. Juhuhu!!!!
 
Mit freundlicher Unterstützung der Narrenzunft Fridingen ( Reiner Kohli und Wolfgang Wirth)
 


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