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Altdorf – Weingarten
12.12.2010 21:58 (8503 x gelesen)

   Altdorf – Weingarten



   

Narrenfiguren der Plätzlerzunft  Weingarten sowie die Fasnet in Altdorf – Weingarten
 
( von Andreas Reutter )
 
Info:
Gegründet wurde die Narrenzunft 1927 / 1931
Die Plätzlerzunft Weingarten ist seit 1933 Mitglied der
Vereinigung Schwäbisch – Alemannischer Narrenzünfte und gehört der Landschaft Oberschwaben – Allgäu an.
 
Narrentreffen fanden 1951 + 1957 + 1962 + 1966 + 1974 + Große VSAN Narrentreffen 1980 sowie NT 1990 + 1998 + 2006 statt
 
 
 
Die Altdorf – Weingärtler  Narrenfiguren:
 
Plätzler
 
Das Bild der Weingärtler Fasnet ist geprägt von den Plätzlern. Hierbei lassen sich drei verschiedene Formen unterscheiden, die alle zwischen 1930 und 1936 vom damaligen Zunftmeister Dr. Fritz Mattes ihr heutiges Aussehen bekamen. Im 19. Jahrhundert war der Plätzler noch eine "dunkle, mausgraue Gestalt" mit Drahtmaske und langer Fastnachtsgeißel, bevor dann, nach dem Vorbild der Weingärtler Stadtfarben, die rot-weißen, roten und weißen Plätzler entstanden sind. Während die rot-weißen Plätzler nur von Männern getragen werden, können unter roten wie weißen Plätzlern beiderlei Geschlechter stecken.
Ein Plätzlerhäs besteht aus Kittel und Hose, die je nach Typ mit 5000 bis 7000 entsprechend gefärbten Filzfleckchen in Dachziegelform bedeckt sind. In der Taille trägt der Plätzler einen in Smyrnatechnik geknüpften breiten Gürtel mit jeweils individuellen Motiven. Während die rot-weißen Plätzler Gürtel mit ornamentalen Mustern aufweisen, dominieren bei den roten und weißen Plätzlern figürliche und florale Darstellungen.
Seit dem Landschaftstreffen 2006 ist der bunt befleckte „Urbletzler“ mit Drahtgazemaske und Ledergeißel wieder zum Leben erweckt, der nur von Männern getragen werden darf. Auf diese Weise lässt sich die Entwicklungs­geschichte des Weingärtler Plätzlers auch im Narrensprung gut verfolgen.
Heute tragen alle Plätzler mit Ausnahme des „Urbletzlers“ und der Rösslereiter eine Holzmaske. Rote und weiße Plätzler tragen außerdem ein Geschell aus Silberbronze und vereinzelt einen  Sonnenschirm. Während die roten Plätzler die Narrenwurst als närrisches Neckinstrument mit sich führen, schnellen die rot-weißen Plätzler mit ihrer Karbatsche oder erfreuen die Zuschauer mit ihren Saublotern.

 Fasnetsbutzarössle
 
Die originellste und am längsten belegte Figur der Weingärtler Fasnet ist das Fasnetsbutza­rössle. In Altdorf-Weingarten lässt sich das Rössle bis in das Jahr 1825 zurückverfolgen, als der Zimmermann Sterck sein Reiter gewesen ist. Das Rössle trat als Fastnachtslader auf und sammelte Essbares, um es anschließend unter Kindern und Armen wieder zu verteilen. Der überregional bekannteste Rösslereiter war sicherlich Nepomuk Walser (1816-1886), dessen von derbem und volkstümlichem Humor geprägten Narrensprüche und Aufsageverse uns bis heute erhalten geblieben sind.
Die Rössle zeigen einen Plätzler als Reiter einer Schimmel- oder Rappenattrappe. Zwei weitere Plätzler, die Treiber, ziehen es mit langen Lederbändern. Damit reiht sich das Fasnetsbutzarössle in eine Reihe ähnlicher Scheinpferde ein, wie sie in diversen europäischen Fastnachten zu finden sind. Die Pferdeattrappen können bis auf die Nürnberger Schembartläufe im 15./16. Jahrhundert zurückgeführt werden.
In Weingarten existieren vier verschiedene Erscheinungsformen des Fasnetsbutzarössles:
 
Generalsrössle:
 
Nach dem Vorbild von Nepomuk Walser, der in einer französischen Generalsuniform das Rössle geritten hatte, wurde 1975 das Generalsrössle wieder ins Leben gerufen. Sowohl der Reiter als auch die Treiber tragen diese nachgebildete Uniform.

Rote Rössle (d´r Schimmel) und Rot-weiße Rössle (d´r Rapp):
Die Reiter dieser beiden alten Rösslefiguren tragen rote bzw. rot-weißen Plätzleranzüge und führen seit der Gründung der Zunft die entsprechenden Plätzlergruppen im Narrensprung an. Als Besonderheit tragen die Reiter keine Holzmasken sondern Drahtgazemasken. Früher befand sich das Rössle in Privatbesitz und wurde erst 1928 in die Zunft übernommen.
 
Kinderrössle:
 
Die jüngste Rösslefigur ist das vor einigen Jahren wiederbelebte Kinderrössle, das sich als verkleinerte Form des Generalsrössles präsentiert. Schon aus dem Jahr 1928 ist überliefert, dass das Rössle bei seinem Fastnachtsverkünden von „einigen putzigen Jungreitern“ begleitet wurde.
 
 
Trachtenfrauen
 
Die Gruppe der Trachtenfrauen  wurde bereits bei der Wiedergründung der Plätzlerzunft 1928 von Dr. Fritz Mattes als Gegenstück zum Narrenrat  geschaffen. Da in Weingarten damals kein Trachtenverein existierte, konnte die Altdorfer Tracht nur auf diese Weise vor dem Vergessen bewahrt werden.
Die Tracht selbst stellt die Bürgerinnentracht aus der Zeit zwischen 1800 und 1840 dar, wie sie in der Regel an Sonntagen zum Kirchgang oder bei Festen im Laufe des Jahres getragen wurde. Heute wird nur die Radhaube der verheirateten Frau getragen, da keine Jungfer­häubchen erhalten geblieben sind. Mit ihren kunstvoll und filigran gestalteten historischen Radhauben sind die Trachtenfrauen eine wunderschöne Bereicherung im Erscheinungsbild der Weingärtler Fasnet.
 
 Lauratalgeister
 
Die Laura und die sie begleitenden Lauratalgeister wurden nach dem Ende des 2. Weltkrieges von einigen fasnachts­ begeisterten und alteingesessenen Weingärtler Familien geschaffen. Historische Vorlage dieser Fasnetsfigur ist die Laurasage, eine Sage die bereits in den 1920er Jahren Motive für Moritatengruppe lieferte.
In einer verheerenden Gewitternacht kam ein junger Ritter, seine Braut Laura sowie deren Vater ums Leben. Seither soll Laura zur Mitternachtsstunde im Lauratal manch ängstlichem Zeitgenossen auf Wanderschaft erschienen sein.
Direkt nach dem Krieg bestand das Häs aus einer einfachen Vermummung mit einem weißen Laken. Auch das Gesicht wurde durch ein durchsichtiges Leinen verdeckt. Bereits zwei Jahre später wurden die weißen Gewänder von Kunstmaler Martin Arnold überarbeitet und mit Fledermäusen und Eulen kunstvoll bemalt. Dennoch war es bereits Ende der 50er Jahre um die Lauratalgeistergruppe geschehen. Frau Laura und ihre Gesellen versanken in einem Dornröschenschlaf und es dauerte bis 1971, als die Zunft und Jürgen Hohl die Gruppe wieder zu neuem Leben erweckte.
Seither prägen die Holzmaske mit den charakteristischen Tränen sowie ein mit Fledermäusen und Erdbeersträußchen besticktes Häs ihr Erscheinungsbild. Die Heninhaube, ein Gürtel mit Holzschellen, deren trauriger Klang durch Steine erzeugt wird sowie ein Schlüsselbund als Symbol der Erlösung ergänzen diese einmalige Narrengestalt aus der Altdorfer Sagenwelt.
 
Waldweible und Wurzelsepp
 
Wie die Lauratalgeister lassen sich auch die Waldweible auf eine lokale Sage zurückführen. In der Sage tritt sie als Beschützerin des großen Altdorfer Waldes auf. Sie verhindert Holzdiebstähle und verjagt Wilddiebe aus dem Wald.
 
„Dem Holzmacher, der in der Früh vor dem Gebetläuten Bäume umhauen will, bricht sie den Axtstil oder sie macht ihm die Axt schartig. Dem Holzdieb sitzt sie auf die Bürde des Rückens oder auf die Last des Wagens, dass er nicht fortkommen kann, wenn er nicht das Gestohlene an seinem Platz lässt. Dem Wilddieb springt sie mit feurigen Augen und feurigem Rachen entgegen, dass er Gewehr und Wild vergisst…“
Es handelt sich jedoch um keine Hexefigur, sondern um eine wunderliche Waldfrau, die ihre Kräfte zum Wohle von Natur und Mensch einsetzt. Als die Fasnet nach dem 2. Weltkrieg wieder zu neuem Leben erwachte, tauchten 1949 erstmals Waldweible als frei kostümierte Gruppe im sonntäglichen Narrensprung auf. Wenige Jahre später (1956) wurden die Waldweible neu gestaltet und Holzmasken ersetzten die Bergamasker Larven. Seither tragen sie einen mit Motiven aus dem Altdorfer Wald bemalten Leinenrock, ein grünes Oberteil in Miederform nebst braunem Umschlagtuch sowie eine Haube mit Fuchsschwanz. Ein mit Tannenzapfen und Reisig dekorierten Korb, sowie ein Stock mit einem ausgestopften Tier ergänzen das Erscheinungsbild dieser Narrenfigur.
Der Wurzelsepp wurde als männliches Gegenstück zum Waldweible geschaffen. Anfänglich war es nur ein Burschenhäs ohne Maske, doch seit 1963 ist der Wurzelsepp auch mit einer Holzlarve und einer kunstvoll bemalten Jacke ausgestattet. Er trägt ebenfalls einen großen Korb sowie einen knorrigen Wurzelstock. Auf dem Rücken trägt er einen Kräze, die mit zahlreichen Utensilien aus dem Wald dekoriert ist.
 
 Schlösslenarr
 
Der Schlösslenarr ist die jüngste Weingärtler Narrenfigur und entstand 1975. Sie geht zurück auf den Landrichter der Landvogtei Schwaben noch aus der vorderösterreichischen Zeit Altdorfs. Dieser hatte seinen Sitz im so genannten „Schlössle“ in der Scherzachstrasse, einem stattlichen Gebäude im Renaissancestil aus dem 16. Jahrhundert. Heute befindet sich darin das Weingärtler Stadtmuseum.
Beim Schlösslenarren handelt es sich um eine Weissnarrengestalt, dessen lindgrünes Narren­kleid mit verschiedenen Motiven aus dem Barockgarten aufwändig von Hand bestickt ist. Seine Holzmaske zeigt nach dem Vorbild der ältesten noch existierenden Drahtgazemaske der Plätzlerzunft (19. Jhr.) ein freundliches Männergesicht mit Schnurr- und Kinnbart. Auf seiner Maskenhaube sitzt ein kleiner Zweispitz. Aufgrund seiner 4-6 schweren Gschellstränge ist die Gruppe der Schlösslenarren an der Fasnet nicht zu überhören. Als Zeichen seines närrischen Rügerechtes trägt er einen Säbel, der auch als Brezelstange Verwendung findet. Durch das großzügige Verteilen von Brezeln sind die Schlösslenarren bei den Kindern besonders beliebt.
 
 Büttel
 
Der Narrensprung wird angeführt vom Büttel, einem närrischen Polizisten. Mit seiner imposanten und zugleich freundlichen Erscheinung stimmt er die Zuschauer am Straßenrand auf das bevorstehende Ereignis ein. Mit seiner Glocke verkündet er die Tatsache, dass nun Fasnet ist. Zugleich ist er mit seinem Säbel untrügliches Zeichen dafür, dass die Narren wieder die Polizeigewalt in der Stadt übernommen haben.
Der Büttel trägt heute die Uniform eines Unteroffiziers des Württembergischen Infanterie­regiments aus der Zeit des Württembergischen Königreichs, das in Weingarten stationiert war. In den Anfangsjahren der Plätzlerzunft führte der Büttel zu Pferd den Umzug an.

Geschichte der Fasnet in Altdorf-Weingarten
 
 Wenn man der närrischen Überlieferung Glauben schenkt, lassen sich die Ursprünge der Altdorfer Fasnet bis in das Jahr 1348 zurückverfolgen. Einem Brief des Kreuzwirtes Hänsler aus dem Jahr 1870 zu Folge, tanzten damals die Bürger Altdorfs aus Freude über die über­standene Beulenpest um das Rathaus. Zahlreiche Belege zeigen, dass zumindest seit dem 16. Jahrhundert intensiv Fastnacht gefeiert wurde, allen Verboten zum Trotz. So schreibt 1818 der Altdorfer Pfarrer Landthaler an seine Kirchenbehörde: „Am Sonntag Quinquagesima (Fastnachtssonntag) scheint ganz Altdorf wahnsinnig werden zu wollen.“
Und daran hat sich bis heute nicht viel geändert …
 
Die Anfänge der Weingärtler Fasnet
 
Im Brief des Kreuzwirtes Hänsler heißt es über das Jahr 1348: "Als die Krankheit nun zu Ende war, bereiteten die Hinterbliebenen ein Freudenfest. Sie zogen auf den Rathausplatz und tanzten um den Brunnen." Leider sind wir auf mündliche Überlieferungen angewiesen, da 1632 das damalige Archiv im Syndicatshaus größtenteils abgebrannt ist. Schriftliche Hinweise über die Weingärtler Fasnet haben wir erst aus späterer Zeit. So wurde während des Bauernkrieges 1525 die Fasnet verboten und unter Strafe gestellt. „Item soll auch keiner noch keine sich in die Mummerei vergeben, weder Tag noch Nacht peen 10 Pfund.“
Aus einem späteren Ratsprotokoll aus dem Jahre 1786 haben wir den ersten schriftlichen Beleg für den Brauch der Rathaustänze: "Alois Hermann und Carl Huber bitten im Namen der sämtlichen Bürgerschaft, wie gewöhnlich die Fasnachtstage um das Rathaus tanzen zu dürfen." Der Anschluss des vorderösterreichischen Altdorfs und die Säkularisation des Klosters Weingarten an das Königreich Württemberg setzten der Fasnet jedoch vorüber­gehend ein jähes Ende. Umzüge und nächtliche Maskeras wurden 1807 vom neuen Landes­herrn verboten. Erst nach großen Protesten der Schildwirte, die um ihren Umsatz fürchteten, wurde dieser Beschluss 1815 wieder zurückgenommen.
 
Den ersten Hinweis auf die Plätzler erhalten wir aus dem Jahr 1861. Damals regelte der Stadtrat die Sperrzeiten zur Fastnacht: „Hinsichtlich der Masken wird festgesetzt: a) dass sich abends nach 6 Uhr kein sogenannter Plätzler mehr sehen lassen darf, bei Vermeidung einer Arreststrafe…“ Nur wenige Jahre später (1870) werden die "so beliebten Bletzler" von Schneidermeister Moritz Dangel in einem Inserat für seine Maskengarderobe angeboten. Aus der Zeit um 1840/50 ist uns auch die erste bildliche Darstellung erhalten. Auf einem Pfeifen­kopf aus dem Besitz der Familie Walser ist ein "Bletzler" abgebildet. Er trägt bereits das charakteristische Flecklesgewand mit einer Karbatsche und verteilt Brezeln. Auch der heutige Narrenruf „Breisgau“ ist bereits auf der Abbildung zu erkennen.
Zu dieser Zeit war die Fasnet in Weingarten bereits in einem Narrenverein organisiert und jährlich fanden große Fastnachtsumzüge statt. So veranstaltete das Narrencomité bereits 1868 einen großen Umzug anlässlich der Jubelhochzeit des Bletzlers Barnabas Schnäbele. Die Umzüge waren jedoch optisch gesehen stark vom Karneval geprägt.
 
Ende des 19. Jahrhundertes scheinen sich der Narrenverein und das Narren-Comité aus der Straßenfastnacht zurückgezogen zu haben, da keine ausführlichen Fastnachtsprogramme in der Zeitung mehr erscheinen. Auch wenn es bis in die 1920er Jahre keine organisierten Umzüge mehr gab, fand gleichwohl eine ausgedehnte Fastnacht statt, getragen von den Vereinen der Stadt und einzelnen engagierten Familien. Mit viel Aufwand und persönlichem Einsatz wurden jährlich wechselnde Motive dargestellt, wie die zahlreichen Photographien aus dieser Zeit belegen. Auch das Fasnetsbutzarössle, das mindestens seit 1825 existiert, zog jährlich am Gumpigen Donnerstag zum Fastnachtsverkünden durch die Stadt. Die Kinder der Stadt warteten schon sehnsüchtig auf das Brezelnwerfen und Karbatschenschnellen der damals noch kleine Bletzlergruppe.
 
Gründerjahre der Plätzlerzunft
 
Das Jahr 1928 ist für die Plätzlerzunft und die Weingärtler Fasnet von herausragender Bedeutung. Dr. Fritz Mattes gründete zusammen mit Josef Golling die „Althistorische Plätzler­­zunft Altdorf-Weingarten“ mit einem Elferrat an der Spitze. Zum ersten Mal nach dem ersten Weltkrieg wurde wieder ein großer Umzug organisiert, an dem auch die "Bletzler" mit einer kleinen Gruppe vertreten waren. Auch der Narrenbaum wurde zum ersten Mal durch die Altdorfer Zimmermannsgilde gestellt und der abendliche Hemdglonkerumzug zog lärmend durch die Straßen der Stadt. Altüberlieferte Formen wie das Fasnetbutzarössle, die Rathaus­tänze oder die Fastnachts­spiele wurden von Dr. Mattes in die Plätzlerzunft integriert und durch neue Bräuche und Narren­figuren ergänzt. So wurden ab 1931 die traditionsreichen Bletzler in den vorder­österreichischen Stadtfarben rot und weiß neu gestaltet. Zum ersten Mal wurden die bislang üblichen Drahtgazemasken durch sehr ausdrucksstarke Holzmasken ersetzt. Der Bildhauer Karl Brielmayer schnitzte 1928 diese ersten Plätzlermasken. Aus den Anfangsjahren stammt auch der Weingärtler Narrenmarsch von Alfons Holzschuh.
Im Jahr 1933 wurde die Zunft in die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte aufgenommen. In dieser wichtigen Gründungsphase konnte die Plätzlerzunft auf die tatkräftige Unterstützung des Bürgermeisters Braun zählen, der nicht nur finanzielle Mittel bereitstellte, sondern auch viele eigene Ideen zur Ausgestaltung der Fasnet einbrachte. Im Jahr 1936 fand zum ersten Mal der Plätzlerball statt und jährlich wechselnde Fastnachtsspiele wurden auf dem Münsterplatz aufgeführt. Die folgenden Jahre brachten einen stetigen Aufschwung der Plätzlerzunft mit sich, bis der Kriegsbeginn und die Zwangseingemeindung nach Ravensburg 1939 der Fastnacht ein jähes Ende setzten.
 
Weingärtler Fasnet nach dem Zweiten Weltkrieg
 
Bedingt durch die Nachwirkungen des Zweiten Weltkrieges und die französische Besatzung konnte die Fasnet erstmals wieder 1948 abgehalten werden. Doch viele Plätzleranzüge und Masken waren im Zuge der Zwangseingemeindung nach Ravensburg während des Dritten Reiches und aufgrund Beschlagnahmung durch die Besatzungstruppen verloren gegangen. Der bisherige Zunftmeister Dr. Fritz Mattes war verstorben und so übernahm Josef Golling die Leitung und den Wiederaufbau der Plätzlerzunft.
Die Begeisterung für die Fasnet war in der Bevölkerung ungebrochen, und so fanden bereits 1948 und 1949 wieder große Fastnachtsumzüge in Weingarten statt. Neben den Plätzlern beteiligte sich eine große Anzahl frei kostümierter Gruppen und selbst die französische Besatzungsmacht wurde närrisch aufs Korn genommen. Aus diesen freien Gruppen der Nachkriegszeit entwickelten sich zwei weitere Narrenfiguren, die das heutige bunte Bild der Plätzlerzunft bereichern: die Lauratalgeister und die Waldweible. Einige Jahre später bekam das Waldweible mit dem Wurzelsepp seinen närrischen Begleiter.
Im Jahre 1951 schrieb Josef Schweikert das schöne Narrenlied, die Musik dazu komponierte Walter Enzensberger. Seit 1974 steht das ganze Jahr über ein Plätzler gegenüber dem Rathaus von Weingarten, allerdings aus Granit. Der Bildhauer Eberhard Schmidt schuf diesen Plätzlerbrunnen, der jährlich am Vorabend des Gumpigen Donnerstags im Mittelpunkt der Brunnenputzede steht. Im selben Jahr konnte die Plätzlerzunft in einem ehemaligen Lehnhof des Klosters Weingarten ihre Zunftstube einweihen. Mit dem Schlösslenarren wurde 1975 eine weitere Narrenfigur geschaffen, bevor die Wiedereinführung des Urbletzlers zum großen Landschaftstreffen 2006 in Weingarten das heutige Bild der Plätzlerzunft abrundete.
Aktuell zählt die Plätzlerzunft rund 1440 Mitglieder und ist damit einer der großen Vereine der Stadt Weingarten.
 
Quellen: Wir danke der Plätzlerzunft Weingarten für die Unterstützung besonders Andreas Reutter.
 


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