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Waldkirch
22.01.2011 21:28 (10455 x gelesen)

      Waldkirch im Breisgau



   
 
Narrenzunft Krakeelia Waldkirch

Gegründet wurde die Zunft 1865.
 
Die Narrenzunft Krakeelia ist Mitglied in der
Vereinigung Schwäbisch – Alemannischer Narrenzünfte seit 1933  
und gehört der Landschaft Schwarzwald  an.
 
 
Geschichte und Narrenfiguren der Krakeelia Waldkirch
                         (Texte/Quellen NZ Krakeelia Waldkirch)
 
Der Hemdglunker ist die älteste Narrenfigur in Waldkirch, die Hauptnarrenfigur der Zunft ist jedoch der Bajass. Sein Häs ist in Rauten geschnitten in den Stadtfarben blau und gelb. Ihre Hauptattribut sind die Kläpperle, deren Gebrauch bereits im Kindergarten gelernt wird.
Den Bajass gab es bereits um die Jahrhundertwende, die fröhliche Holzmaske kam erst 1928 hinzu, das heutige Häs entstand 1952. Den Bajass tragen in Waldkirch sowohl Kinder als auch Frauen und Männer. Ab dem 9. Lebensjahr dürfen Masken getragen werden.
Nach dem Kinderumzug am Fasnetsonntag werden auf dem Marktplatz bei der Bajasstaufe die Hästräger in die Gruppe aufgenommen, welche ab dem Jahr eine Maske tragen.
Die Bajassgruppe ist auch mit der Organisation der Fasnetverbrennung betraut. Die sterbende Fasnet wird in Gestalt einer Puppe auf einem Stapel von Wellen aus Tannenreis aufgebahrt.
 
 
 
Der Bajass:
 
Die Hauptfigur der Narrenzunft Krakeelia ist ohne Zweifel der Bajaß. Das Gewand ist aus kleinen Filzfleckle, gehalten in Blau und Gelb, den Farben der Stadt Waldkirch. Auf dem Kopf sitzt eine dazu passende Kappe mit zwei "Hörnern", den Eselsohren des historischen Schalks-Narren.
In der Hand trägt der Bajaß eine Holzpritsche ("Dätscher"), mit welcher er Umstehende schon mal auf sich aufmerksam machen kann.
Bei der Wiedereinführung des Bajaß, im Jahre 1933, wurde ein blau gelb bedruckter Rautenstoff verwendet, der sich jedoch nicht bewährte. 1952 trat deshalb insofern eine Änderung ein, als das Häs aus Wollstoff und als Flecklebajaß neu gestaltet wurde. Am Schnitt wurde nichts geändert. Dem 1933 aus unerfindlichen Gründen mit »Naudiak« umbenannten Bajaß wurde 1949 sein alter Name wieder gegeben.
Bei der Sinndeutung der Pritsche wird von dem alten Glauben auszugehen sein, dass das Schlagen Wachstum und Fruchtbarkeit weckt und beschleunigt. Es war früher üblich, dass am Unschuldigen Kindertag ledige Burschen die Jungfrauen mit Ruten schlugen. Dem gleichen Sinn, nur mit der kräftigeren Pritsche, liegt das Schlagen der Narren und der Pritschenmeister bei den Schützenfesten zugrunde. Beim Narrenschlag, wie ihn der Zeremonienmeister auf der Aufnahme in die Zunft führt, ist der Schlagzauber in einen Einführungsritus umgemünzt, wie er sich früher schon in Anlehnung an die höfische Sitte des Ritterschlags bei den Zünften entwickelt hatte
 
 
 
Die Kandelhexe:
 
Gegründet 1974, sind die Kandelhexen aus dem Fasnetsgeschehen der Stadt Waldkirch nicht mehr wegzudenken. Höhepunkt ihrer Aktivitäten ist ohne Zweifel der Hexensabbat, der alljährlich mehrere tausend Zuschauer auf den Marktplatz lockt. Eingeleitet durch den Hexentanz, vollzieht die ganze Hexenschar der Narrenzunft Krakeelia ihr schauriges Schauspiel, bei dem die neuen Mitglieder der Hexengruppe aufgenommen werden. Im Mittelpunkt der Handlung, auf einem Podium stehend, vollzieht der Teufel als Anführer der Hexen diese Wandlung unbescholtener Männer zu Hexen. Bei Fackelschein und Feuerwerk, umrahmt von teuflischen Sprüchen und den Klängen der Stadtmusik Waldkirch, zeigt sich einmal mehr Waldkirchs Marktplatz als eine stimmungsvolle Kulisse für solche Darbietungen.
Die Hexe aus der Märchenwelt war ihr Vorbild und dorther kam auch die Vorstellung einer entsprechenden Verkleidung. Sie schrien "Hoorig isch die Katz" und "Schleitheim dän .. ". Die sie umgebenden Kinder aber: Hex, Hex, Ofeloch, het kei gute Kaffee kocht! Walter Glaser, seinerzeit Narrenrat in der Krakeelia, trat in den späten Sechziger-Jahren beim Zunftabend der Krakeelia als "Kandelhexe" auf und wusste viel von dem, was er übers Jahr in der Kandelstadt gesehen hatte, aus der Sicht der Hexe zu berichten. Von seiner Frau Otti stammt der Ruf "Hexe, Hexe, stelze, kumme rab vum Kandelfelse!". Bald schon wuchs im Kreis der Zunftverantwortlichen der Wunsch nach einer Narrengestalt dieser Art, die als Hästräger, vor allem für die Männerwelt, der Krakeelia neue Attraktivität verleihen sollte.
Die Hexenmacher nahmen ihre Aufgabe sehr ernst. Das neue Häs musste sich deutlich von dem anderer gleichartiger Gruppen unterscheiden. Auch hatte von vornherein nicht jeder den Vorzug, unter die Kandelhexen aufgenommen zu werden. Am Fasnetsamschtig, dem 8. Februar 1975 versammelten sich erstmals die Waldkircher Kandelhexen zum Hexensabbat auf dem Marktplatz. Mag einer denken was er will, fest steht, dass das Interesse und die Begeisterung fürs Fasnetmachen unter den jungen Männern der Stadt gegenüber früher erheblich gestiegen war. Die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte hatte in ihrer Sitzung am 17. Januar 1976 die neugeschaffene Maskengestalt "Kandelhexe" genehmigt.
 
 
Klepperlesgarde:
Der Brauch, sich an Fasnacht als Hemdglunker zu verkleiden, ist inzwischen in vielen Orten des südwestdeutschen Fasnachtsraums üblich, ist es doch nur mit geringem Aufwand verbunden. Speziell in Waldkirch pflegt der Hemdglunker ein besonderes Auftreten. Ein Hemdglunkerumzug in Waldkirch ist ohne lautstarke Begleitung durch Kläppern nicht vorstellbar. Daher ist auch die Bezeichnung 'Kläpperlebue' für Hemdglunker üblich, zumindest für Buben und Burschen. Auch die 'Kläpperlegarde', eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen, welche im Umgang mit den traditionellen Holzkläpperle eine besondere Kunstfertigkeit zeigen, trägt als offizielle Kleidung Nachthemd und Zipfelmütze des Hemdglunkers
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Die alte Jungfer:
Die Teilnahme von Frauen am Fasnachtsgeschehen beschränkte sich bis in die jüngste Zeit auf die Ausübung des "Frauenrechts" am Aschermittwoch. Narrenlauf war eine reine Männersache. Es gab manchenorts wohl Bräuche, die von Frauen ausgeübt wurden. Ob und inwieweit in früheren Zeiten, am Ablauf des Fasnachtsgeschehens unserer früheren Landeshauptstadt Innsbruck gemessen, gleichartiges auch in Waldkirch praktiziert wurde, lässt sich bei den uns überkommenen mangelhaften schriftlichen Nachrichten nicht näher bestimmen. Als älteste urkundliche Nachricht findet sich in einem Rechnungsbuch des vergnügungslustigen und frauenfrohen Herzogs Sigismund des Münzreichen vom Jahre 1460, dass er den Weibern von Hötting (Vorort von Innsbruck, jetzt Stadtteil), 2 rheinische Gulden verabreichen ließ, als sie am Aschermittwoch das Bloch zogen. Eine landesfürstliche Verordnung von 1569 wollte das Bloch ziehen auf einen Tag vor dem Aschermittwoch verlegt haben. Aber der Landesfürst, Erzherzog Ferdinand II., hatte es nicht eilig, dieses Verbot durchzusetzen. Trotz Verboten und Einführung des 40-stündigen Gebets hielt es lange an, bis das Bloch ziehen abkam. Die Frauen blieben aber dennoch vielerorts bei ihrer Feier am Aschermittwoch. Noch 1657 gab die Gemeinde Buchholz den Weibern am Aschermittwoch eine Spende von 8 Schilling 6 Pfennig. Kirchengebote waren in neuerer Zeit dafür bestimmend, dass unter dem Einfluss katholischer Frauen die üblichen Kaffeekränzle am Aschermittwoch auf den Fasnachtsdienstag verlegt wurden. "Alte Schachteln" auf den Straßen wurden schon lang und hauptsächlich beim Schnurren oft gesehen. Es handelt sich daher um keine Neuschöpfung, wenn im Jahre 1957 die Narrenzunft dazu überging, sich dieser, für die Fasnet wichtigen Narren anzunehmen, und sie in den Schutz der Zunft zu stellen. Dies umso mehr, als in den Jahren nach dem letzten Krieg, hauptsächlich am Schmutzigen Dunschtig, sich Gäste von auswärts breitzumachen versuchten, die zur Fasnet ein sehr kurioses Verhältnis an den Tag legten und sich des Grundsatzes bedienten: "An Fasnacht ist alles erlaubt!" So wurde es für Frauen oft schwer, wenn nicht gar unmöglich, das uralte Rügerecht ohne belästigt zu werden, auszuüben.
 
 
Infos:
Die Narrenzünfte Krakeelia Waldkirch + Narrenzunft Welle Bengel Kenzingen und die Endinger Narrenzunft treffen sich alle paar Jahre zu einem kleinen aber feinen Narrentreffen das sich das „Dreier Treffen“ nennt. Dazu werden immer nur wenige Zünfte eingeladen.
 
 
Wir danken der Narrenzunft Krakeelia Waldkirch für die Texte.
Zusammengestellt von Raphael S. Rinkenauer


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