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Zell am Hamersbach
06.01.2011 21:05 (10111 x gelesen)

       Zell am Hammersbach



   
 
Narrenzunft Zell am Harmersbach
 
Gegründet 1923
Die Zunft wurde 1937 in die Vereinigung Schwäbisch – Alemannischer
Narrenzünfte aufgenommen und gehört der Landschaft Schwarzwald an.
 
 
Geschichte und Narrenfiguren der Narrenzunft Zell a. H.
( Quelle & Texte Narrenzunft Zell a. H.)
 
 
Die Fasend in Zell hat eine lange Tradition.
Ein Ratsprotokoll aus dem 17. Jahrhundert berichtet von Verboten und Strafen, da einige Zeller Bürger um 1650 die alten Bräuche aufleben lassen wollten und es in ihrem närrischen Übermut zu ausgelassen trieben.
Es ist zum Beispiel überliefert, dass sich Hafnergesellen an der „faßnacht“ im Jahr 1670 gegenseitig verprügelten.
1858 gab es bereits einen Vorläufer der Narrenzunft. Diese trat unter dem Namen „Comitee“ in Erscheinung. Es ist ungewiss, ob damals bereits eine feste Organisation der Fasend vorhanden war.
Eine solche Organisation besteht jedoch gesichert seit 1923, als sich die „Narrhalla Zell“ gründete, welche sich später in Narrenzunft Zell umbenannte.
 
 
Hohe Tage der Narretei

Wären Weihnachten und Neujahr an einem Tag, so hätte man noch lange nicht den Stellenwert, den die Fasend bei einem Zeller Narren einnimmt.

Die hohen Tage der Narretei feiert man in Zell nach alter Tradition und in einer Vielfalt, wie sie im schwäbisch-alemannischen Sprachraum kaum mehr zu finden ist.

Vom Schmutzigen Donnerstag bis Aschermittwoch ist Zell fest in Narrenhand. Erleben Sie, wie eine ganze Stadt "Kopf steht" und sich alle mit "Kind und Kegel" an den vielen traditionellen Veranstaltungen in und um Zell beteiligen.

Klicken Sie oben auf die Verschiedenen Ereignisse um mehr über die Zeller Fasend im Jahreslauf zu erfahren
Der Fasendsonntag ist in Zell der höchste Feiertag.

An diesem Tag werden die Zeller Traditionsfiguren aus ihrem einjährigen tiefen Schlummer erweckt.

Vom Gasthaus Jägerstüble marschiert der Narrenrat zum Narrengrab am Storchenturm, wo der Zunftmeister die traditionelle Erweckungsansprache hält.
Die Narrenräte heben den Grabdeckel und jedem Beteiligten, Zuschauern und Aktiven läuft es kalt den Rücken herunter, wenn zum hellen Geläut der Storchenturmglocke die Zeller Narros zu Hunderten dem Grab entsteigen.

Nachdem der lang ersehnte Augenblick gekommen ist und die Narros ihre Freiheit errungen haben, zieht der traditionelle Umzug mit mehreren Hundert Hästrägern durch die Stadt.
 
 
Narrenfiguren der Zunft:
Schon seit dem Mittelalter haben sich die Menschen an Fasnacht verkleidet. Zum eigentlichen Wesen der alemannischen Fasnacht gehören zwei Gruppen von Narren: die "Dürren", die den Winter, und die "Grünen", welche die Wachstumskräfte von Frühling und Sommer verkörpern sollen. Sie sind also keineswegs nur Scherz- oder Phantasiegestalten, sondern Zeugen älteren Volksglaubens. Etwas davon spürt jeder richtige Narr. Einer derselben meinte: "Man fühlt sich im Fasendgewand einer Tradition verbunden."
 
Urform der Narros

Die ursprüngliche Gestalt unseres Raumes, die Urform des Zeller Narren, war wohl der Schilfnarro. Wie der Schilfnarro einst aussah kann nur vermutet werden. Einheimische Fachleute glauben, zu seinem Kleid sei die ganze Pflanze - also Stengel, Blätter und Rispe - verwendet, lose auf den Körper aufgelegt und vielleicht durch ein Strohseil zusammengehalten worden. ebenso ist man sich nicht im klaren über die Zuordnung des Schilfnarros zu den "Grünen" oder "Dürren". Johannes Künzig zum Beispiel sieht ihn als "Grünen". Doch die Tatsache, dass es im Fastenmonat Februar noch kein frisches Schilf gibt, spricht für die "Dürren". Deshalb kann man vermuten, der Schilfnarro hätte in früheren Zeiten als Vertreter des Winters gegolten, den auszutreiben, an Fasnacht Aufgabe von jung und alt war.
 
   
 
Bändelenarro:
Beim Bändele-Narro werden Bändele, bestehend aus Papier, in wechselnden, aber sich immer wiederholenden Farben reihenförmig auf einen Anzug und breitkrempigen Hut aufgenäht.
Das Papier des Bändele-Narros besteht aus sechs verschiedenen Farben.
Diese sind rot, gelb, grün, blau, braun und grau.
Es dürfen keine hell leuchtenden Farben sondern nur gedeckte Farben sein.
Vor der Verwendung von farbigem Papier wurde Zeitungspapier verwendet, was heute zum Teil wieder gemacht wird.
Allerdings wird darauf geachtet das die farbigen Bändele-Narro in der großen Überzahl bleiben.
Auf alle Fälle hängen Heimischwerden und Beliebtheit des "Bändele" mit der Zeller "Papieri" zusammen; umgangssprachlich vom ursprünglichen "papir mihlin" (Papiermühle), die 1583 in Zell am Harmersbach errichtet wurde.
Der Bändele-Narro trägt die traditionelle Bändelemaske welche ein lachendes, bartloses Männergesicht zeigt, sowie schwarze Halbschuhe und schwarze Handschuhe; als Schreckwaffe trägt er einen Farrenschwanz mit Saublooder.
 
Schneckenhüslinarro:
Beim Schneckenhüsli-Narro werden echte Weinbergschnecken so dicht wie eben möglich auf einen schwarzen Anzug aufgenäht; für dieses aufwändige Kleid werden über 2000 Schneckenhäusle verwendet.
Dazu trägt er einen schwarzen Dreispitz-Filzhut, der am Hutrand und in der Hutmitte ebenfalls mit Schneckenhüsli besetzt ist.
Der Schneckenhüsli-Narro besitzt als Schreckwaffe eine Streckschere. Seine Maske zeigt ein grinsendes, bartloses Männergesicht bei dem zum linken Mundwinkel die Zunge spitz, lässig und schalkhaft herausschaut.
Schwarze einfache Woll- oder Lederhandschuhe sowie schwarze Halbschuhe, möglichst aus Leder, runden das Bild ab.
 
 
Welschkornnarro:
Die Urform der Zeller Narren war wohl der Schilf-Narro.
Wie wohl dieser aussah, kann nur vermutet werden.
Fachleute glauben, dass die ganze Pflanze - also Stengel, Blätter und Rispe lose auf den Körper aufgelegt und durch ein Seil zusammengehalten wurden.
Wahrscheinlich nahmen später die Zeller Narren statt des oft schwer zu beschaffenden Schilfs Welschkorn (Mais), das schon 1645 in unserer Gegend gepflanzt wurde.
Die Kolbenhüllenblätter von Mais (Welschkorn) werden beim Welschkorn-Narro auf einen Anzug genäht; ebenso auf seinen breitkrempigen Hut.
Vom Stoff des Anzuges darf nach dem Benähen nichts mehr sichtbar sein.
Der Hals wird mit einer Rüsche aus Welschkornblätter, die umgebunden wird, bedeckt. Er trägt dazu die traditionelle Bändelemaske, schwarze Handschuhe sowie schwarze Halbschuhe oder Strohschuhe.
Als Schreckwaffe besitzt der Welschkorn-Narro einen Farrenschwanz, an dem kurz angebunden, eine Saublooder hängt.
 
 
 
Spielkartennarro:
Hierzu werden Deutsches Blatt, Skat- oder Cego-Spielkarten, jedoch pro Gewand nur zu einem Blatt gehörende Karten, verwendet.
Diese werden dachziegelartig, Zahlen und Bilder gemischt, auf einen Anzug genäht; vom Stoff des Anzuges darf nichts mehr zu sehen sein.
Ebenso wird der Hut mit Spielkarten vollkommen bedeckt.
Der Spielkarten-Narro trägt ebenfalls die traditionelle Bändelemaske sowie schwarze Handschuhe und schwarze Halbschuhe; als Schreckwaffe benutzt der Narro eine Streckschere.
 
 
Wir danken der Narrenzunft Zell am Harmersbach für die Texte.
Zusammengestellt von Raphael S. Rinkenauer
 


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